Besteuert Kirchen, statt Kirchensteuer

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Im Moment müssen in manchen Kantonen, mir bekannt in Zürich und Bern, Unternehmen zwingend Kirchensteuern entrichten. Ich halte diesen Zwang für nicht haltbar. Ein Unternehmen sollte selbst entscheiden ob es eine Kirchensteuer entrichten will und wohin diese Steuer gehen soll.
Denn wo die Kirchensteuer hingeht ist dann noch die andere Sache, im Kanton Zürich sind es im Moment die evangelisch-reformierte, römisch-katholische und christkatholische Kirche (Stadt Zürich) sowie die Israelitische Cultusgemeinde und die jüdische Liberale Gemeinde.

Mit einer Solidaritätssteuer könnte man als Idee anteilig die Sozialwerke stützen und gemeinnützige Organisationen unterstützen. Dadurch würde das Geld weiterhin der Gesellschaft zugeführt werden, jedoch ohne dieses an bestimmte religiöse Richtungen zu binden.
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Unbestritten leisten die Kirchen einen wertvollen Beitrag in unserer Gesellschaft. Genauso wie Familien, Sportvereine, Parteien, NGOs und viele andere Institutionen.

Sollen deshalb die Kirchen Steuergelder von Unternehmen erhalten? Nein, und zwar aus folgnden Gründen:

1.) Gemeinnützige Organisationen sind immer auf Spendengelder ihrer Sympathisanten angewiesen. Der Staat darf nicht gewisse Institutionen bevorzugen.

2.) Wir leben in einem säkularen Staat. Es herrscht Religionsfreiheit und der Staat hat sich nicht in den Glauben seiner Bürger einzumischen. Er hat deshalb auch nicht vorzuschreiben, welcher Institution (bzw. Religion) man Geld zu spenden hat.

3.) Die Kirchen profitieren bereits von einer bevorzugten Behandlung, in dem sie grosse Grundstücke und Gebäude, deren Bau teilweise vom Staat mitfinanziert wurde, zu sehr günstigen Konditionen erhalten.

4.) Jedes Unternehmen ist frei, den entsprechenden Betrag freiwillig an die Kirche (oder eine andere Institution) zu spenden.
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danke! guter text!
Lukas Rubin 6. November 2009 Verstoss melden
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Für viele Leute leistet zum Beispiel der Dorfpfarrer immer noch wertvolle Dienste. Sei dies nun im Rahmen der Sterbebegleitung, als Hilfe für die Armen und Schwachen oder als Orientierungshilfe im Leben.
Da die Schweizer Kirchen weder fundamentalistisch noch erzkonservativ sind, ist die heutige Kirchensteuer also durchaus noch gerechtfertig.
2 Kommentare
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Sozialarbeiter tun dasselbe ohne missionarische Hintergedanken. Dafür braucht es die Kirche schlicht nicht.
Juan Romero Abelleira 1. August 2009 Verstoss melden
Die Freidenker machen auch Krankenbesuche und halten Abdankungsreden. Soll der Staat für sie nun auch Steuern eintreiben? Und wenn nein, wieso nicht?
Andreas Kyriacou - kandidiert für Gemeinderat Zürich, Grüne 19. August 2009 Verstoss melden
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Die politisch-christliche Bewegung des späten 19. Jahrhunderts hat das liberale Staatskonstrukt Schweiz in die heutige Richtung gebracht. Davon profitieren jetzt alle.
7 Kommentare
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Ich würde dem mal widersprechen und sagen dass sich das liberale Staatskonstrukt Schweiz trotz der Kirche durchgesetzt hat.
Mario Schultz 18. Juli 2009 Verstoss melden
Da bin ich dezidiert der selben Meinung wie Herr Schultz.
Doch angenommen die Kirche hätte diese entscheidende Rolle gespielt, liegt folgendes Gleichnis auf der Hand: VHS haben wir die Entwicklung des Heimkinos zu verdanken, jedoch würden wir - einmal abgesehen von Nostalgikern und Sammlern - heutzutage keinen Rappen mehr für eine VHS-Kassette ausgeben.
Außerdem scheint die Regelung der "Gegenleistung" mittels Mitgliederbeiträgen wesentlich ehrlicher, ergo frommer und für gläubige Personen demnach angebrachter.
Juan Romero Abelleira 18. Juli 2009 Verstoss melden
@Allgemein: Kann man denn nicht einfach aus der Kirche austreten und ist somit von den Kirchensteuern befreit? Oder ist das (wie es mir den Anschein macht) von Kanton zu Kanton verschieden? In einzelnen Kantonen (Aargau z.B.) muss man nur KS entrichten, wenn man auch dieser Glaubensgemeinschaft angehört vgl.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchensteuer_(Schweiz)

Klärt mich doch bitte mal auf =)
Jörg Klenk 20. Juli 2009 Verstoss melden
Hier nochmal der Link in funktionierend:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchensteuer_%28Schweiz%29
Jörg Klenk 20. Juli 2009 Verstoss melden
@Jörg
Für die juristischen Personen gibt es kein opt-out - obschon sie nicht einmal von den «Leistungen» der Staatskirche profitieren können. Im Kanton Zürich sind das immerhin um die 65 Millionen Franken pro Jahr an Zwangsabgaben.

Aus der allgemeinen Staatskasse erhalten die Kirchen weitere 50 Millionen pro Jahr, wegen dubiosen alten Verträgen.

Kirchensteuer zahlen also ALLE, entweder über die allgemeinen Steuern oder als indirekte Verbrauchssteuer: Als Konsument trägt man zum Unternehmergewinn bei, ein Teil davon wird auf die Kirchen zwangsumverteilt.
(Zahlen aus dem Jahr 2006, siehe: http://www.sk.zh.ch/internet/sk/de/mm/mm2006q2/156_kirchen.html )

Ein Facebook-Cause zum Thema:
http://apps.facebook.com/causes/298438?m=0aca965b
Andreas Kyriacou - kandidiert für Gemeinderat Zürich, Grüne 19. August 2009 Verstoss melden
@Peter Müller: Die Aufklärung und später der Liberalismus haben die Schweiz in die Moderne geführt - gegen den erbitterten Widerstand der Bewahrer der kirchlichen Macht.

So ziemlich jedes einzelne gesellschaftliche Recht musste dem einst mächtigen Klerus abgerungen werden. Im besten Fall, wie beim Frauenstimmrecht, schwiegen die Kirchenvertreter.
Andreas Kyriacou - kandidiert für Gemeinderat Zürich, Grüne 19. August 2009 Verstoss melden
Die Religion trägt weitgehend die Verantwortung für den Sonderbundskrieg von 1847, dem letzten Krieg in der Schweiz.
Unser heutiger Staat wurde 1848 gegründet, und hat in seinen ersten 50 Jahren eine für damalige Verhältnisse radikale religionsfeindliche Politik betrieben.
Thomas Wepfer 15. November 2009 Verstoss melden
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Beispiel Polen: dort ist die Trennung von Kirche und Staat konsequent verwirklicht, es gibt keine staatlich eingetriebene Kirchensteuer (das Geld kommt von privaten Zuwendungen).
Die Gefahr besteht darin, dass die Kirche ihre Macht (durch unkontrollierte Mittelzuflüsse) ausweiten kann.
Vorteil (oder auch Nachteil?): die Kirche kann sich selbstbewusster, da von staatlichen Geldern unabhängig, in die Diskussion über gesellschaftliche Themen (Werte!) einbringen.
Wie kann man diese Kontrollfunktion mit einer Kirchensteuer noch wahrnehmen? Braucht es Überhaupt eine Kontrolle?
4 Kommentare
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im zweitletzten Satz ist die Besteuerung der Kirchen gemeint. Warum kann man auf dieser Plattform die eigenen Beiträge nicht korrigieren bzw. (bei bedarf) löschen??
Patrik Louis 16. Juli 2009 Verstoss melden
@Patrik: "Beiträge korrigieren / löschen"
Merci für dein Feedback. Wir vom politnetz-Team entwickeln die Platform stetig weiter und sind für Verbesserungsvorschläge und Ideen dankbar. Bitte schreib sie uns auf: http://ideenfeedback.politnetz.ch/
Politnetz Team - Administrator 16. Juli 2009 Verstoss melden
Sind unkontrollierte Mittelzuflüsse in Form von Spenden nicht bereits jetzt schon möglich? Besteuerung ist meines Erachtens nach notwendig um eine Schwelle zu schaffen gegen finanziell motivierte religiöse Institutionen.
Juan Romero Abelleira 16. Juli 2009 Verstoss melden
Was machen denn die Kirchen heute? Wer kontrolliert ihre Mittelzuflüsse? Niemand
Reta Caspar 19. August 2009 Verstoss melden
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